Wie Ben nach den Sternen greift
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Wie Ben nach den Sternen greift
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Ben Waldmann aus Thüringen holt des Bundessieg bei Jugend forscht in der Kategorie Physik.
Als am Sonntagnachmittag in Herzogenaurach die letzten Preise des 61. Bundeswettbewerbs Jugend forscht vergeben werden, steigt die Spannung im Saal spürbar an. Vier Tage lang haben Deutschlands beste Nachwuchsforscher:innen ihre Projekte präsentiert, diskutiert und vor Fachjurys verteidigt. Nun richtet sich der Blick auf die Bühne.
Kurz darauf wird der Name „Ben Waldmann“ ausgerufen und es ist klar: Thüringen hat einen Bundessieger.
Für den 17-Jährigen aus Elsterberg geht in diesem Moment eine intensive Forschungsreise zu Ende und gleichzeitig beginnt etwas Neues. Mit seinem Projekt „HaloGenesis – Über die Rolle von Axionen im frühen Universum“ gewinnt der Schüler des Ulf-Merbold-Gymnasiums Greiz den Bundessieg im Fachgebiet Physik. Die Jury würdigt dabei nicht nur die wissenschaftliche Qualität seiner Arbeit, sondern vor allem die Eigenständigkeit und fachliche Tiefe, mit der er sich einem der großen Rätsel der modernen Kosmologie gewidmet hat.
Was geschah, als die ersten Sterne entstanden? Welche Rolle spielte dabei die geheimnisvolle Dunkle Materie, die den größten Teil unseres Universums ausmacht, aber bis heute nicht direkt nachgewiesen werden konnte?
Fragen wie diese beschäftigen normalerweise Wissenschaftler:innen an Universitäten und Forschungsinstituten weltweit. Ben Waldmann wollte selbst Antworten finden.
Dafür entwickelte er ein eigenes Simulationsmodell, mit dem er untersuchte, ob sogenannte Axion-Sterne – hypothetische Ansammlungen extrem leichter Teilchen – die Bildung der ersten Sterne im Universum beeinflusst haben könnten. Seine Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Strukturen Gas verdichten und damit den Kollaps von Gaswolken sowie die Sternentstehung begünstigen könnten.
Die Bundesjury zeigte sich beeindruckt. Besonders hervorgehoben wurden die wissenschaftliche Selbstständigkeit, die systematische Arbeitsweise und der souveräne Umgang mit komplexen physikalischen Modellen.

Doch Ben Waldmann beschäftigte sich nicht nur mit den Ursprüngen des Universums. Parallel arbeitete er an einem zweiten Projekt, das eine ganz praktische Herausforderung adressiert.
Mit seiner Entwicklung „SORS – Segmented Optimized Rotor Simulation“ untersuchte er, wie sich Kleinwindanlagen effizienter betreiben lassen. Dazu entwickelte er eine Simulationssoftware und ein intelligentes Steuerungssystem, das Rotorblätter während des Betriebs an wechselnde Windbedingungen anpasst. In Versuchen konnte die Stromausbeute eines Prototyps um 18 Prozent gesteigert werden.
Auch dieses Projekt wurde auf Bundesebene ausgezeichnet und zeigt eindrucksvoll die Bandbreite seiner Interessen – von den fundamentalen Fragen der Astrophysik bis hin zu konkreten Lösungen für die Energieversorgung der Zukunft.
Hinter einem Bundessieg stehen viele Stunden Forschung, unzählige Berechnungen und eine große Portion Ausdauer. Doch erfolgreiche Nachwuchsforschung entsteht selten allein.
Ben Waldmann wurde auf seinem Weg insbesondere von Mathias Thiel vom Schülerforschungszentrum Greiz als Projektbetreuer begleitet. Aber schon dort war klar – hier braucht es weitere Expertise. Ben hat sie vom Schülerforschungszentrum Erfurt, von Mentor:innen sowie von Jugend-forscht-Alumni , die ihr Wissen und ihre Erfahrungen weitergegeben haben, bekommen.
Diese Strukturen machen Thüringen seit Jahren zu einem erfolgreichen Standort für die Förderung junger Talente. Der Landeswettbewerb Jugend forscht wird dabei von den Pateninstitutionen Jenoptik und der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen getragen. Wichtig sind aber auch die regionalen Partner, die den Wettbewerb von Anfang an begleiten und das hohe Niveau ermöglichen.
Das sagt Dr. Sven Günther, Vorstand der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen. Zusammen mit der Adrian König, von der Jenoptik setzt er sich als Landespate seit Jahren dafür ein, dass der Wettbewerb Jugend forscht ein hohes Niveau erreicht. Inzwischen ist dafür in Thüringen ein breites MINT-Netzwerk aufgebaut, dass es ermöglicht, dass neue Talente die Möglichkeit haben ihre Forschungsprojekte zu realisieren.
Als die Feierlichkeiten in Herzogenaurach langsam ausklingen, bleibt vor allem eines: die Erkenntnis, was möglich ist und wie es ist, zur der ganz besonderen Jugend forscht Gemeinschaft zu gehören. Insgesamt waren sieben Projekte nach Herzogenaurach zum Bundeswettbewerb gereist. Und auch, wenn Magdalena, Elia, Lara, Kim, Annabell, Linda und Janina keinen Preis auf Bundesebene erreichen konnten, ist der Erfolg, dabei zu sein, riesig.
Dass Thüringen gewinnt, ist für alle Grund zur Freude. Der Bundessieg von Ben steht stellvertretend für eine Generation junger Menschen, die wissenschaftliche Herausforderungen nicht als Hindernis, sondern als Einladung verstehen.
Oder anders gesagt: Innovation beginnt genau hier.
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