Talent

Spitzenforschung im Klassenzimmer

Drei Thüringer Lehrkräfte verbringen eine Woche am MIT in Cambridge.

Drei Thüringer MINT-Lehrkräfte haben im Juli 2026 am Science and Engineering Program for Teachers (SEPT) des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/USA teilgenommen. Eine Woche lang erlebten sie aktuelle Forschung, neue Lehr- und Lernansätze und den internationalen Austausch mit Kolleg:innen aus aller Welt.

Drei von fünf deutschen Teilnehmenden kommen aus Thüringen

Zum Jahresbeginn konnten sich Thüringer MINT-Lehrkräfte für das SEPT-Programm bewerben. Weltweit wurden 50 Lehrkräfte für das Programm ausgewählt, fünf davon aus Deutschland. Drei der fünf deutschen Teilnehmenden kamen aus Thüringen.

Michelle Rousseau vom Evangelischen Ratsgymnasium Erfurt, Dr. Markus Franz vom Martin-Luther-Gymnasium Eisenach und Amadeus Müller vom Staatlichen Thüringischen Rhön-Gymnasium Kaltensundheim überzeugten im internationalen Auswahlverfahren und erhielten die Möglichkeit, am SEPT-Programm teilzunehmen.

Die Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen ermöglichte den drei Lehrkräften die Teilnahme mit Stipendien. Zusätzlich wurde die Reise von der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland unterstützt. Vor der Abreise wurden die Stipendien von Christiane Kilian, Vorständin der Stiftung, gemeinsam mit Bildungsminister Christian Tischner und Marco Eberl von der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland übergeben.

Mit Erwartungen im Gepäck

Vor der Reise wollten die drei Lehrkräfte vor allem eines: neue Perspektiven auf MINT-Unterricht gewinnen.

Michelle Rousseau interessierte sich dafür, wie modernes Lernen an einer internationalen Spitzeninstitution funktioniert. Amadeus Müller wollte erfahren, wie Unterricht in anderen Ländern gestaltet wird und welche Ansätze sich für die eigene Schule weiterdenken lassen. Dr. Markus Franz blickte besonders auf den Austausch mit internationalen Kolleg:innen und den Einsatz neuer Technologien im Unterricht.

Allen drei ging es darum, Impulse mitzunehmen, die später ihren Weg zurück in die Thüringer Schulen finden können.

Eine Woche am MIT

Vom 5. bis 10. Juli 2026 wurde aus den Erwartungen konkrete Erfahrung. Auf dem Campus des Massachusetts Institute of Technology wechselten sich wissenschaftliche Vorträge, Workshops und praktische Einblicke in Forschung und Lehre ab.

Das Programm reichte von einem anspruchsvollen Vortrag über Quarks und die kleinsten Bestandteile der Materie bis zu Fragen rund um den Klimawandel.

In Workshops beschäftigten sich die Lehrkräfte außerdem damit, wie sich neue Lernansätze in den Unterricht übertragen lassen. Michelle Rousseau, Amadeus Müller und Dr. Markus Franz arbeiteten beispielsweise über mehrere Tage im Bereich Game Design und entwickelten Ideen für Spiele mit thematischem Bezug zu MINT-Fächern wie Biologie, Chemie, Informatik und Physik.

Auch der Umgang mit Künstlicher Intelligenz in Schule und Unterricht wurde zum Thema. Für Amadeus Müller war dabei eine Erkenntnis besonders interessant: Viele Fragen, die deutsche Schulen derzeit beschäftigen, stellen sich auch international. Die Reise bot damit nicht einfach fertige Antworten, sondern vor allem die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven miteinander zu vergleichen.

Neben Vorträgen und Workshops führten Programmpunkte die Teilnehmenden in Forschungs- und Lernräume des MIT, in den Physikbereich sowie ins Museum of Science in Boston. Besonders prägend war für Amadeus Müller und Dr. Markus Franz dabei immer wieder der Austausch mit Lehrkräften aus anderen Ländern – über Unterricht, Technologien und die Frage, wie junge Menschen für Naturwissenschaften begeistert werden können.

Was bleibt nach einer Woche MIT?

Nicht jede Idee vom MIT lässt sich eins zu eins auf ein Thüringer Klassenzimmer übertragen. Gerade darin lag für Michelle Rousseau, Dr. Markus Franz und Amadeus Müller aber auch ein wichtiger Teil der Erfahrung. Die Reise bot weniger fertige Rezepte für den Unterricht, dafür aber neue Perspektiven darauf, wie Lernen, Forschen und Bildung gedacht werden können.

Kreativität als Zukunftskompetenz

Für Michelle Rousseau blieb besonders die Nähe zur Forschung hängen. Sie konnte Expert:innen begegnen, die unmittelbar an aktuellen wissenschaftlichen Fragen arbeiten, und selbst noch einmal zur Lernenden werden. Besonders beschäftigt sie seitdem die Frage, welchen Raum Schule für Kreativität schafft. Am MIT wurde Kreativität immer wieder als wichtige Zukunftskompetenz thematisiert – gerade mit Blick auf eine Bildungswelt, die sich durch Künstliche Intelligenz verändert.

Auch praktische Lernformen blieben in Erinnerung. Kleine Experimente, offene Aufgaben und problemorientiertes Arbeiten zeigten, wie Lernende stärker selbst ausprobieren und eigene Wege entwickeln können. Beispiele wie ein Kurs, in dem Studierende über ein Semester hinweg wissenschaftlich rund um das Thema Kaffee forschen, machten sichtbar, wie viel Raum für Neugier und freies Forschen entstehen kann.

Voneinander lernen statt neu erfinden

Für Dr. Markus Franz war vor allem der direkte Austausch wertvoll. Im kleinen Rahmen konnte er mit Expert:innen des MIT über ihre Forschung sprechen. Gleichzeitig boten die Gespräche mit internationalen Lehrkräften neue Perspektiven. Seine wichtigste Erkenntnis daraus war, dass gute Ideen nicht immer neu erfunden werden müssen. Sie entstehen oft dadurch, dass Menschen ihre Erfahrungen teilen und voneinander lernen.

Direkte Dialog als Impulsgeber

Auch Amadeus Müller ließ sich von dem Austausch hinsichtlich Wissenschaft und Forschung inspiriert. Mit Wissenschaftler:innen direkt ins Gespräch zu kommen und aktuelle Forschung aus erster Hand kennenzulernen, war für ihn einer der stärksten Aspekte der Reise. Der Vergleich zeigte ihm zugleich, dass in Deutschland bei der Verbindung von Fachwissenschaft und Didaktik bereits vieles gut funktioniert.

Dr. Markus Franz, Michelle Rousseau und Amadeus Müller nach ihrer Reise am Massachusetts Institute of Technology

Neue Fragen statt fertige Antworten

Gerade deshalb war SEPT für die drei Lehrkräfte nicht einfach eine Sammlung neuer Unterrichtsmethoden. Die Woche eröffnete vielmehr neue Fragen: Wie viel Freiheit brauchen Schüler:innen, um eigene Ideen zu entwickeln? Welchen Stellenwert bekommt Kreativität im Unterricht? Wie verändert Künstliche Intelligenz das Lernen? Und wie können wissenschaftliche Inhalte so übersetzt werden, dass sie für Schule tatsächlich nutzbar werden?

In einem Punkt waren sich alle drei einig: Die Woche am MIT war eine außergewöhnliche Erfahrung. Besonders der Zugang zu aktueller Forschung, der Perspektivwechsel und die Begegnungen mit Menschen aus Wissenschaft und Bildung bleiben über die Reise hinaus.

Weitere Stories